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RAS in der Schweiz: Warum die erste Generation gescheitert ist – und Folgende daraus lernen müssen

Kreislaufanlagen galten als nachhaltige Lösung für Fischzucht in der Schweiz: wenig Wasser, keine Antibiotika, regionale Produktion. Doch viele große Projekte sind gescheitert. Was lief schief? Und warum lohnt sich der Blick nach vorn trotzdem?

 

RAS (Recirculating Aquaculture Systems) ermöglichen eine kontrollierte Fischzucht mit minimalem Wasserverbrauch. Die Technologie war anfangs noch nicht ausgereift – man könnte sagen, sie steckte in den Kinderschuhen. Doch sie funktioniert: weltweit und prinzipiell auch in der Schweiz.

Was nicht funktionierte, war ihr Einsatz unter realen Bedingungen. Viele der ersten Projekte wurden unter hohem Zeitdruck und mit wenig fachspezifischem Know-how umgesetzt. Der Fokus lag auf der Technik – nicht auf Marktverständnis, nicht auf den tatsächlichen Anforderungen der Fischarten – und schon gar nicht auf den Menschen, die täglich mit den Tieren arbeiteten.

Die Firmenleitungen stammten häufig aus fachfremden Bereichen. Es fehlte an Dialog mit dem Kern der Anlage: den Personen, die täglich die Fische sahen, pflegten, fütterten und Schwachstellen erkannten. Entscheidungen wurden oft über ihre Köpfe hinweg getroffen – mit entsprechendem Resultat.

Ein Beispiel dafür ist die Valperca AG – bezogen auf die Zeit vor 2023.

Valperca – gutes Produkt, falscher Aufbau

Valperca war über Jahre hinweg der größte Produzent von Egli (Flussbarsch) in der Schweiz. Die Anlage in Raron (VS) war ein Pionierprojekt und galt lange als Vorzeigebetrieb. Technisch basierte sie auf einem Kreislaufsystem der ersten Generation – einfach aufgebaut, aber fehleranfällig.

Was fehlte, war nicht der Wille, sondern die Anpassung an die Realität:

      • Die Anlage war nicht auf die spezifischen Bedürfnisse des Egli abgestimmt.

      • Entscheidungen wurden von Personen ohne Fischereifachkenntnis getroffen.

      • Der Betrieb war teuer, der Markt aber nicht bereit, entsprechende Preise zu zahlen.

      • Technische Mängel und personelle Fehleinschätzungen taten ihr Übriges.

    Hinweis: Im Jahr 2023 wurde das Unternehmen von einem neuen Inhaber übernommen. Die Produktion in Raron wurde nicht eingestellt – sie läuft unter neuer Leitung weiter. Dieser Artikel bezieht sich ausdrücklich auf die Situation vor der Übernahme.

    Einsehbar sind die Unternehmensereignisse im Handelsregister u. a. über:
    🔗 Valperca AG – Moneyhouse Unternehmensprofil

    Warum die Kreislaufanlage (RAS) trotzdem eine Chance verdient

    Am Beispiel von Valperca, einer der ersten kommerziellen Kreislaufanlagen in der Schweiz, zeigt sich: Trotz des gescheiterten Pionierprojekts der ersten Generation sollte die Kreislaufanlagentechnik (RAS) nicht vorschnell abgeschrieben werden. Valperca war ein echtes Pionierprojekt, das von 2009 bis 2023 geführt wurde – es gab niemanden, der zuvor eine Fischzucht in einem geschlossenen System in diesem Maßstab umgesetzt hatte. Vieles musste im laufenden Betrieb erlernt und angepasst werden – mit allen Rückschlägen, die eine solche Lernkurve mit sich bringt.

    Ein Beispiel: Die Anlage wurde schrittweise an die Bedürfnisse des Fisches angepasst. Für den Egli (Flussbarsch) wurde ein spezielles Futter entwickelt, das optimal auf die Bedingungen in der RAS abgestimmt war. Die Anlage wurde verdunkelt, da die Fische so wesentlich entspannter sind.  Auch wenn der technische Aufbau der frühen Anlagen Schwächen zeigte – etwa bei der Wasseraustauschrate, der Ausfallsicherheit einzelner Module oder der fehlenden Automatisierung –, entstand durch Praxisversuche wertvolles Know-how. Dass solche Projekte überhaupt möglich waren, lag nicht zuletzt an einem großzügigen finanziellen Rahmen – ein Vorteil, der heute nicht selbstverständlich ist.

    Die Zukunft der RAS liegt in der konsequenten Weiterentwicklung. Eine enge Zusammenarbeit über Berufsgrenzen hinweg ist unerlässlich: Fischwirt, Techniker, Biologe, Betriebswirt und Vermarkter müssen gemeinsam denken und handeln. Nur so lassen sich Fixkosten gezielt senken – durch Eigenstromproduktion mittels Photovoltaik, clevere Nutzung von Abwärme und Nebenprodukten, Automatisierung und effizientes Wassermanagement.

    Denn eines ist klar: Eine RAS, die mehr als 100 Tonnen Fisch pro Jahr produziert, ist als eigenständiger Betrieb nur unter bestimmten Voraussetzungen tragfähig. Es braucht dafür beinahe eine „eierlegende Wollmilchsau“: minimale Strom-, Wasser- und Abwasserkosten, möglichst geringe Futter- und Lohnkosten – und eine starke, durchdachte Vermarktung. Doch mit moderneren und verbesserten Generationen von Systemen – etwa durch energieeffizientere Technik, optimierte Wasseraufbereitung und integrierte Steuerungslösungen – wird dieses Ziel realistischer denn je.

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